Fachartikel
Autor: Dr. Heinz-Dieter Molitor
Zeitschrift: Hydro exklusiv 1/99 der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur

Wasser- Stoff allen Lebens

Jede Menge Wasser, wenig Erde- Eindrücke, die uns Satellitenbilder vom "blauen Planeten" aus dem Weltall vermitteln. Planet Erde scheint vielmehr ein Planet Wasser zu sein, sind doch 72 Prozent der Erdoberfläche von Ozeanen bedeckt. Wasser- der Stoff, in dem das Leben begann und aus dem Leben überhaupt existiert; bestehen doch die Körper aller lebenden Organismen im Duchschnitt zu 60 bis 90 Prozent aus Wasser.

Somit begann auch das Leben der Pflanzen und die Produktion von Sauerstoff im nassen Element. Neben der Luft zum Atmen ist Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen wichtigste Lebensgrundlage. Worau es beim Wasser ankommt, damit es Ihren Hydrokulturen gut geht, verrät Ihnen Dr. Heinz-Dieter Molitor von der Forschungsanstalt Geisenheim:


Objekt   1 2 3 4
Leitfähigkeit mS/cm 140 590 870 760
Gesamthärte mmol/l 0,5 3,8 0,5 1,4
Säurekapazität mmol/l 0,7 5,7 2,5 3,6
NO3-N mmol/l 0,2 0,07 0,14 0,07
CA mmol/l 0,35 2,20 0,03 0,20
Mg mmol/l 0,21 0,54 0 0,25
Na mmol/l 0,26 0,52 9,26 5,48
Cl mmol/l 0,48 0,70 2,79 0,96
SO4 mmol/l 0,26 0,52 1,04 0,78
Fe mmol/l 4,65 0,18 19,68 0
Mn mmol/l 0,36 0 0 0
Zn mmol/l 1,99 0 0 0,92
Cu mmol/l 0 0,79 1,57 25,47
Tab. 1
Gießwasserqualitäten verschiedener Objekte im Raum Frankfurt Wiesbaden
        Grenzwert
mmol/Liter
Grenzwert
mg/Liter
Beruteilung
aus Sicht der Pflanzenernährung
Fluorid (F) 0,079 1,5 zu hoch
Bor (B) 0,090 1,0 zu hoch
Chlorid (Cl) 7,000 250 viel zu hoch
Natrium (Ba) 6,500 150 zu hoch
Kupfer (Cu) 0,047 3,0 viel zu hoch
Zink (Zn) 0,076 5,0 zu hoch
Tab: 2
Grenzwerte für einzelne Inhaltsstoffe nach der Trinwasserverodnung

Auch unsei Pflanzen verdienen und brauchen die Richtige Wasserqualität, denn es ist nicht gleichgültig, wie unsere Hydrokulturen versorgt werden. Wie unterschiedlich Wasserqualität sein kann, machen Kalkflecken auf den Blättern sichtbar und wissenschaftliche Analysen im Detail deutlich. Die in Tabelle 1 beispielhaft aufgelisteten Ana lyseresultate zeigen, wie unterschiedlich Wasserqualität sein kann. 

Hier wurden im Raum Wiesbaden/Frankfurt das Trinkwasser vier verschiedener Objekte analysiert. Zu beachten ist: Leitungswasser, das den Vorgaben der Trinkwasserverordnung genügt, muß als Gießwasser noch lange nicht geeignet sein. Tabelle 2 zeigt Ihnen die Grenzwerte für einzelne Inhaltstoffe nach der Trinkwasseiverordnung. 

Gießwasser liegt in der Regel nicht als reines Wasser vor. Gleichgültig ob es sich um Lei tungswasser, Brunnenwasser oder Regenwasser handelt, so sind doch in unterschiedlicher Menge gelöste Salze enthalten. 

Welche Bedeutung hat die Wasserqualität?

Die Wasserqualität wirkt sich in mehrfacher Hinsicht auf die Ernährung der Pflanzen und damit auf deren Haltbarkeit und Aussehen aus. So hängt vom Salzgehalt des Gießwassers ab, ob lonenaustauscher-Düngereingesetzt werden können. Denn ohne ausreichenden Salzgehalt des Wassers werden die Nährstoff-lonen nicht von dem Ionenaustauscher freigesetzt die Pflanzen verhungern.

Die Säurekapazität des Wassers entscheidet darüber, in welcher Richtung sich der pH-Weit in der Nährlösung entwickelt. Bei einem Anstieg des pH-Wertes können sich krankhafte Farbveränderungen und Vergilbungen zeigen.

Wichtig ist auch zu wissen, ob im Gießwasser ausreichende Mengen an Kalzium enthalten sind, da die meisten Düngemittel diesen Nährstoff nicht enthalten. 

Beim Einsatz von Ionenaustauscher-Dünger wird sogar zusätzlich Kalzium im Austausch gegen Nähr-Ionen gebunden. Kalziunimangel kann die Folge sein. Besonders wichtig ist die Kenntnis über den Gehalt an Schadstoffen wie Natrium, Chlorid, Zink und Kupfer. Diese können sich anreichern und zu erheblichen Pflanzenschäden führen.

Wasseranalyse

Auskunft über die im Wasser gelösten Inhaltsstoffe gibt eine Wasseranalyse. Sofern es sich um Leitungswasser handelt, genügt dazu eine Nachfrage bei derjeweiligen Kommune oder beim Wasserbeschaffungsverband. Diese lassen mindestens einmal jährlich Analysen durchführen und stellen die Ergebnisse in der Regel auf Anfrage kostenlos zur Verfügung. Nur wenige der dort aufgeführten Nebenwerte sind jedoch für uns zur Beurteilung der Gießwasserqualität von Bedeutung. Sofern Gießwasser aus eigenem Brunnen, Bachwasser oder Regenwasser eingesetzt wird, ist es deshalb nicht erforderlich, eine komplette Trinkwasseranalyse durchführen zu lassen, die mehrere Hundert DM kosten würde.  Einige Nebeiiwerte lassen sich auch mittels Schnelltest aus dem Laborfachhandel kostengünstig Lind eigenhändig messen.

Welche Nennwerte sind wichtig?

Wichtige Kenngrößen der Wasserqualität sind: die Leitfähigkeit (Salzgehalt) die Säurekapazität die Gesamtliärte oder besser noch der Gehalt an Kalzium und Magnesium der Gehalt an Natrium und Chlorid der Gehalt an Zink und Kupfer.

Welche Bedeutung haben die angeführten Kenngrößen?

Der Gesamtsalzgehalt einer Nährlösung ist von Bedeutung bei der Wahl des richtigen Düngemittels.  Gemessen wird dazu die elektrische Leitfähigkeit des Wassers. 

Der Leitfähigkeitswert hilft uns zu entscheiden, ob ein Ionenaustauscher-Dünger eingesetzt werden kann oder nicht.  Die Säurekapazität (SBV= Säurebindungsvermögen) gibt die Konzentration an Bikarbonat-Ionen (HCO3-Ionen) im Wasser an. Diese sind von entscheidender Bedeutung im Hinblick auf den Verlauf des pH-Wertes der Nährlösung im Anstaubereich und im Wurzelraum darüber.  Außerdem muß bei der Walil des richtigen Düngemittels dessen Stickstoff-Form berücksichtigt werden.  Die Messung der Säurekapazität kann mit einem Schnelltest selbst erfolgen (z.B. Aquamerck 1.08041).

Die Gesamthärte charakterisiert den Gesamtgehalt des Wassers an Kalzium (Ca) und Magnesiuin-lonen (Mg).  Die Gesamthärte läßt sich ebenfalls mittels eines Schnelltests (z.B. Aquamerck 8039) selbst messen.  Dieses Maß eignet sich als Entscheidungsgrundlage dafür, ob Flüssigdünger eingesetzt werden können - die kein Kalzium und Magnesium enthalten - und welche Form des lonenaustauscher-Düngers lewählt werden sollte.

Hartes Wasser bewirkt in idealer Weise den Austausch der Nährstoffe und liefert gleichzeitig das für die Pflanzenernährung nötige Calcium und Magnesium.  Die Gesamthärte wird in mmol/Liter (Ca+Mg) oder teilweise noch als Grad deutscher Gesamthärte (°dGH) angegeben, wobei zwischen beiden Bezeichnungen folgende Beziehung besteht: 1mmol/Liter (Ca+Mg) Gesamthärte = 5,6°.

Im Gießwasser sollten mindestens 1 mmol/Liter Kalzium (=40,1 mg Ca) enthalten sein; bei Einsatz von Ionenaustauscher-Dünger mindestens 2 mmol/Liter.

Natrium und Chlorid sind keine Nährelemente und werden von Pflanzen nur in geringer Menge aufgenommen.  Sie können sich deshalb in der Nährlösung und im Substrat anreichern.  Beide Ionen sind gut löslich und osmotisch hoch wirksam., d.h. sie binden sehr gut Wasser.  Das führt dazu, daß die Pflanzen nur sehr schwer an das lebensnotwendige Wasser herankommen können.  So führen entsprechend hohe Konzentrationen zu Pflanzenschäden.  Probleme sind mittel- und langfristig, bei Überschreiten von etwa 1 mmol/Liter im Gießwasser (= 23 mg Na oder 35,5mg CI) zu erwarten.

Achtung: Hohe Natriumgehalte sind häufig ein Indiz für eine hauseigene Enthärtungsanlage. Derartig aufbereitetes Wasser ist als Gießwasser grundsätzlich nicht geeignet. Kupfer und Zink sind für die Pflanzenernährung unverzichtbare Spurenelemente. Sie können aber in höheren Konzentrationen Pflanzenschäden verusachen.

Hohe Konzentrationen entstehen durch Korrosion entsprechender Leitungssysteme. Die Gefahr einer Anreichung ist groß bei weichem, kohlensäurehaltigem Wässern. Die Lösung von Zink und Kupfer nimmt mit zunehneder Temperatur und Standdauer im Rohrnetz zu. Aus diesem Grund sollten Sie grundsätzlich vor der Entnahme von Gießwasser an einer selten benutzten Zapfstelle die Leitung spülen, indem Sie kurze Zeit das Wasser laufen lassen.

Dies gilt grundsätzlich auch stets vor Entnahme einer Wasserprobe für eine Wasseranalyse. Besondere Gefahr durch Zink- oder Kupferüberschuß besteht bei Regenwasser, wenn dieses mit entsprechenen Metallen in Berührung kommt.

Nur in begrenzten Einzelfällen, etwa bei der Verwendung von Brunnenwasser, kann auch die Kenntnis des Gehalts an Nitrat-Stickstoffen von Bedeutung sein. Dies erübrigt sich bei Trinkwasser, da der Nitratgehalt durch die Trinkwasserverordnung begrenzt wird.

Der pH-Wert des Gießwassers hat in der Regel keine praktische Bedeutung für die Planzenernährung. 

Entscheidend ist immer der pH-Wert der Nährlösung, also nach der Zugabe von Nährstoffen. Sulfat ist in vielen Gießwässern im Überschuß vorhanden, wird aber von Pflanzen auch in hoher Konzentration vertragen.

Regenwasser

Regenwasser ist in der Regel salzarm und scheint deshalb als Gießwasser besonders geeignet. Aber Vorsicht: Regenwaser erfordert eine besondere Düngung. Alle herkömmlichen auf dem Markt befindlichen Düngemittel für Endverbraucher, seien es Ionenaustauscher-Dünger, Flüssigdünger oder Salzdünger, sind dafür aber nicht geeignet.

Regenwasser bietet sich jedenfalls sehr gut zum Verdünnen von salzreichem Wassser an. Die häufig vorgebrachten Bedenken wegen des niedrigen pH-Wertes ("saurer Regen") sind völlig unbegründet. Einziger Risikofaktor kann die bereits erwähnte Belastung mit Schwermetallen sein, wenn das Regenwasser mit derartigen Metallen in Berühung kommt.  Schon eine einzige verzinkte Schlauchstelle oder eine Messingkupplung kann ausreichen, um Regenwasser mit Zink oder Kupfer zu belasten.

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